Eichen mussten weichen...

… und das tut Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen weh wie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und des Bauhofes, die so eine Baumfällung in Auftrag geben oder diese sogar durchführen müssen.

Unsere Gemeinde ist geradezu geprägt von großen, teils majestätisch anmutenden Bäumen, von denen die Eichen sicherlich den Spitzenplatz einnehmen. Teils mehrere hundert Jahre alt sind sie aus Sicht der schon älteren und immer in Winsen lebenden Bevölkerung ein fester Bestandteil in einer sich gerade in letzter Zeit rasant entwickelnden Gemeinde und stellen einen sichtbaren Teil unserer Ortsgeschichte dar. Und für Menschen, die neu nach Winsen kommen, üben die Eichen einen besonderen Charme aus und sind zudem ein Alleinstellungsmerkmal für Winsen.

Neben diesem Alleinstellungsmerkmal ist die ökologische Notwendigkeit von Bäumen natürlich der wichtigste Punkt, der in Bezug auf unsere Eichen und jeden anderen Baum anzusetzen ist. Darum nimmt die Verwaltung auch jedes Jahr viel Geld in die Hand, um die Eichen und auch andere Bäume in Augenschein zu nehmen, vom Totholz zu befreien und Maßnahmen zur Gesundung bei kranken Exemplaren einzuleiten. Hierzu wird jedes Jahr ein Baumgutachter beauftragt, der die markanten Bäume auf Krankheiten hin untersucht und im Bedarfsfall Maßnahmen zur Gesundung vorschlägt. Nicht immer, und da unterscheiden sich Bäume nicht von Menschen, ist eine Gesundung noch möglich und dann gilt es Entscheidungen abzuwägen, wie man weiter verfahren muss. Manchmal kann man noch Therapien versuchen, wobei vorher die Risiken genau abgewogen werden müssen. So konnten bei mehreren Bäumen in unserer Gemeinde durchaus erfolgversprechende Versuche gestartet werden, da diese Bäume an Orten stehen, wo das Risiko von plötzlich herabfallendem Totholz als geringer einzustufen ist.

Anders sah es bei zwei Bäumen aus, die jetzt am Küsterdamm und in der Alte Celler Heerstraße gefällt werden mussten. Diese kranken Bäume, die sich unmittelbar neben und mit ihren Kronen über sehr stark frequentierten Bushaltestellen befunden haben, stellten eine unmittelbare Gefahr für Anwohner und Passanten dar. Der Gutachter hat hierzu folgende Empfehlungen abgegeben:
Die Eiche „Alte Celler Heerstraße“ hat mehrere Defekte. Die Wurzelanläufe haben teils nur noch geringe Restwandstärken und es ist keine Abschottungszone vorhanden, weshalb sich die Fäule schnell ausbreiten wird. Der Anfahrschaden am Stämmling bedeutet an sich schon eine Bruchgefahr. Der Baum muss gemäß Bild stark eingekürzt werden. Aufgrund der Schäden und der zu erwartenden Reststandzeit und dem Pflegeaufwand, kann man aus wirtschaftlicher Sicht jedoch eine Fällung anraten.

Die Eiche „Küsterdamm“ ist aufgrund des Standortes und der Schäden das Sorgenkind. Unter der Eiche verläuft ein Gehweg, rechts davon ein Parkplatz und die Krone hängt mit ihrem gesamten Gewicht über das angrenzende Haus. In ca. 1m Höhe haben wir nur noch um die 18cm Restwandstärke. Zugseitig sind die Wurzelanläufe stark geschädigt. Der Schwefelporling ist ein Kernholzzersetzer, was bedeutet, dass erst in einem späten Stadium eine Vitalitätsabnahme zu erkennen ist. Gefahr durch plötzlichen Sprödbruch. Dazu kommt die geschwächte Zugseite des Stammes und die kompette Last der Krone, die auch noch einseitig zieht. Aufgrund des Standortes heißt es, der Baum muss dringend gefällt werden.

Für jeden Baum, der gefällt wird, werden natürlich Ersatzpflanzungen (nicht immer am gleichen Ort) durchgeführt. Dass neu angepflanzte Bäume natürlich nicht in ihrer Erscheinung und in ihrer Ökobilanz einen adäquaten Ersatz zu den gefällten Riesen darstellen, versteht sich von selbst. Es werden jedoch mehrere Bäume gepflanzt, die sich im Laufe der Zeit wieder entwickeln werden. Dazu läuft in unserer Gemeinde zusätzlich auch gerade ein Konzept, das u. a. das Anlegen von Streuobstwiesen beinhaltet. Winsen soll auch weiterhin ein Ort sein, der pfleglich und vorausschauend mit seinem Baumbestand umgeht, im nicht zu vermeidenden Fall der Fällung Ersatz schafft und darüber hinaus nach Wegen sucht, wie unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvolle Maßnahmen zur Ausweitung des Baumbestandes umgesetzt werden können. 


Dirk Oelmann 
Bürgermeister