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Winser Seniorin in Notlage

Bürger und Unternehmen leisten tatkräftige Hilfe

So funktioniert gesellschaftlicher Zusammenhalt: Dank des Einsatzes ihrer Mitbürger und regionaler Firmen konnte einer über 80-jährigen Winserin geholfen werden, die in eine akute Existenznot geraten war. Fehlende Einkünfte, die geschwächte Gesundheit und ein dringend notwendiger Wohnungswechsel hatten zu einer Belastung für die ältere Dame geführt, die sie schlichtweg überforderte.

Oft ergreifen ältere Menschen, die der Unterstützung bedürfen, nicht selbst die Initiative, um Hilfe einzufordern. So war es denn auch der Hinweis von besorgten Nachbarn, der Doris Pohland vom Familien- und Seniorenservicebüro der Gemeinde Winsen (Aller) auf diesen Fall aufmerksam machte. Im Rahmen eines Hausbesuchs machte sie sich ein Bild von der schwierigen Lage, in der sich Frau M. befand. Verwitwet und kinderlos, wohnte die Dame allein zur Miete in einem Einfamilienhaus. Als sie noch über die notwendigen Kräfte verfügt hatte, bestritt sie ihren Unterhalt, indem sie mehrere Zimmer an Sommergäste vermietete. Jetzt hatten das fortgeschrittene Alter und gesundheitliche Beschwerden am Herzen dazu geführt, dass dieser dringend benötigte Zusatzerwerb weggefallen war. Das Konto der Dame rückte immer weiter ins Minus.

Die Leiterin des Familien- und Seniorenservicebüros machte sich nun gemeinsam mit Frau M. ans Werk: Erfolgreich beantragten sie Pflegeleistungen, die eine Entlastung bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten (z.B. Einkaufshilfe und Hausreinigung) ermöglichten. Zum Ziel führte auch die Bemühung um eine Grundsicherung, die das spärliche Einkommen der Dame aufbesserte. Allerdings wurde schnell deutlich, dass das Haus von Frau M. zu groß war, um weiter von ihr allein unterhalten zu werden. So fiel die Entscheidung für einen Umzug in eine kleinere, barrierefreie Zwei-Zimmer-Wohnung, für die auch niedrigere Mietkosten anfallen. Eine geeignete Unterkunft war zwar bald gefunden, der Wohnungswechsel selbst führte jedoch zu einer abermaligen erheblichen Belastung für Frau M. 

Während die Umzugskosten selbst vom Sozialamt übernommen werden konnten, standen keine öffentlichen Mittel bereit, um die Übergabe der alten Unterkunft in einer Form zu gewährleisten, die dem Wortlaut des Mietvertrags entsprach. Kam Frau M. dieser Anforderung jedoch nicht nach, so drohten ihr eine Klage und hohe Verschuldung. Die notwendigen Renovierungsarbeiten und die Entsorgung desjenigen Teils des Hausstands, den Frau M. nicht mit in die neue Wohnung übernehmen konnte, gingen mit Kosten von über 2200,- Euro einher. Über entsprechende Mittel verfügte sie nicht.

In dieser bedrohlichen Lage erwies sich die große Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen. Doris Pohland nahm Kontakt zu Winser Bürgern und regionalen Unternehmen auf, die angesichts der Not von Frau M. Unterstützung leisteten. So erklärte sich die Hambührener Firma „Dienstleistung für Jung & Alt“ bereit, die alte Wohnung im Rahmen eines Allround-Pakets zu entrümpeln und nicht jedes kleine Detail in Rechnung zu stellen. Für finanzielle Entlastung sorgte auch der Winser Baumarkt „Werkers Welt“, der die Farbe für das Streichen der Wohnung kostenlos zur Verfügung stellte. Die Malarbeiten selbst übernahmen ehrenamtliche Helfer: Sechs Mitglieder der zweiten Fußballmannschaft des SSV Südwinsen stellten ihre Freizeit in den Dienst von Frau M. und strichen die alte Wohnung, sodass diese an den Vermieter übergeben werden konnte. Und auch in der Frage der für die Entrümpelung angefallenen Kosten zeigt sich Licht am Ende des Tunnels: Doris Pohland hat entsprechende Mittel bei der Berliner Hans-Rosenthal-Stiftung beantragt, die sich zum Ziel setzt, schnelle und unbürokratische Hilfe in Notfällen zu leisten. Nach derzeitigem Stand besteht guter Grund zu der Hoffnung, dass dieser Antrag erfolgreich sein wird. 

Die Leiterin des Familien- und Seniorenservicebüros freut sich sehr über das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen: „Es ist wirklich großartig, wie hilfsbereit die Beteiligten waren. Man sieht dabei, wie effektiv Hilfe geleistet werden kann, wenn jemand da ist, der die Organisation der gemeinschaftlichen Unterstützung in die Hand nehmen kann. Allerdings würde ich mir wünschen, dass solche Anstrengungen keine Einzelfälle bleiben.“