Archivierte Berichte

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Verabschiedung von Heinrich Lindhorst als 1. Vorsitzender des Winser Heimatvereins

Nach 37 Jahren als 1. Vorsitzender hat sich Heinrich Lindhorst nun nicht erneut zur Wahl des 1. Vorsitzenden des Winser Heimatvereins aufstellen lassen. In einer würdevollen Feier, die der Winser Heimatverein für ihn ausgerichtet hat, wurde er am 11.03.2016 von Freunden und Weggefährten verabschiedet. Auf dieser Veranstaltung durfte ich aus Sicht der Gemeinde die folgende Rede auf Heinrich Lindhorst halten:

Nach seiner Verabschiedung hatte mir ein guter Bekannter gesagt: „Einen Tag möchte ich so gut gewesen sein, wie mir das bei der Verabschiedung nachgesagt wurde.“

Für Heinrich Lindhorst gilt: Er war in seinem Leben für den Heimatverein und den Museumshof an ungezählten Tagen so enorm gut, dass eine 2-stündige Abschiedsfeier nicht ausreicht, das Gute auch nur annähernd darzustellen.

Darum lässt die Verabschiedung des früheren Vorsitzenden unseres Heimatvereins auch gar keine Trauer aufkommen. Uns fehlt einfach die Zeit dafür, oder wie Heinrich Lindhorst an diesem Rednerpult oft gesagt hat:“ Nu mach ma hinne, we hebt keen Tied för ol de Snackereien.“ Die wenigen Minuten, die wir für unsere Abschiedsworte haben, reichen auch so schon vorn und hinten nicht, um unsere Anerkennung und unsere Freude über 37 Jahre erfolgreiche Arbeit auszudrücken. Da sollten wir die Zeit also nicht mit unangebrachter Trauer vergeuden. Und ich sage ganz offen, ich verspüre auch Freude; Freude darüber, dass er sich für diesen Abschied 37 Jahre Zeit gelassen hat.

Wenn jemand schon zu Lebzeiten in die Geschichte eingeht, ist das doch kein Grund zur Traurigkeit, sondern zum gemeinsamen Feiern. Eben darum sind wir heute zusammengekommen: um einen vorbildlichen Mitbürger, Kollegen und Freund zu feiern – Heinrich Lindhorst eben.

Oft gesagt, und es stimmt: Diese eindrucksvolle Lebensleistung konnte er nur gemeinsam mit vielen anderen schaffen. Aber es stimmt auch: Wie kein anderer hat er mitgearbeitet, mit gestaltet und mit entschieden - mehr als drei Jahrzehnte lang.

Was bleibt nach 37 Jahren Vereinsvorsitz? Ein großer, ein großartiger Verein, der auf einem soliden Fundament ruht und mit dem sich viele hundert Menschen in unserer Gemeinde identifizieren.

Was bleibt nach der Ära Heinrich Lindhorst, der Zeit des Aufbaus und der Festigung, für diejenigen, die jetzt Verantwortung übernehmen und den Verein in ein anderes Zeitalter überführen? Sie stehen vor großen Herausforderungen und müssen eine moderne Satzung und ein immer wieder neu zu überdenkendes und zeitgemäßes Museumskonzept fest im Blick haben. Und es sind populäre Großveranstaltungen zu Geschichtsthemen zu verbinden mit qualifizierten Ausstellungsprojekten aus der regionalen und kommunalen Geschichte. Aber alles hat seine Zeit, und ebenso wie Heinrich Lindhorst haben auch die neuen Verantwortungsträger ihre Zeit und werden wie er das Beste daraus machen. Mein Vertrauen haben sie.

Heinrich Lindhorst ist es bei seiner Arbeit neben den wichtigen Inhalten der Heimatpflege auch um die Unabhängigkeit und die Solidität im Verein gegangen. Die Arbeit wird auch durch die von Heinrich Lindhorst gegründete Stiftung „Winser Museumshof“ erleichtert. Ganz bewusst hat er sie nicht mit seinem Namen versehen, soll sie doch auch über sein Wirken hinaus ganz klar den Zweck schnell erkennbar machen, wofür sie gegründet wurde. Ein nicht unerhebliches Stiftungsvermögen sorgt dafür, dass der Verein jedes Jahr eine größere Summe zur Erledigung diverser Aufgaben einplanen kann. Auch dafür an dieser Stelle einfach einmal ein großes „Danke schön“.

Viele würdigen heute das Wirken von Heinrich Lindhorst im Verein, darum möchte ich sein Wirken für unsere Gemeinde etwas näher beleuchten:

Geschichtsbewusstsein beginnt nicht auf dem Museumshof. Und Mitverantwortung, Mitdenken und Mitgestalten enden nicht am Museumszaun, und so gibt es neben dem Museumshof noch viele andere Stätten in Winsen, wo Heinrich Lindhorst im positiven Sinne „die Finger mit im Spiel“ hatte.

Die Grabstätte „von Schrader“ auf Gut Sunder ist ein gutes Beispiel für das engagierte Handeln von Heinrich Lindhorst. Die in einem erbärmlichen Zustand befindliche, für unsere Gemeinde kulturhistorisch aber wichtige Grabstätte musste dringend restauriert werden. Aus der nicht gerade mittellosen Familie hatte keiner Geld dafür übrig, bzw. sah man die Notwendigkeit nicht, sich hier mit einzubringen. Briefe mit der Bitte um Unterstützung wurden erst gar nicht beantwortet. Mit der ihm eigenen Tat- und Überzeugungskraft hat Heinrich Lindhorst es geschafft, Geld und Helfer zu mobilisieren, um den Verfall dieses Kulturgutes aufzuhalten.

Konzepte von Heinrich Lindhorst ähneln napoleonischen Angriffsstrategien, er hat immer schon alles schriftlich fixiert und genau festgelegt, von welcher Flanke der Heimatverein und von wo aus die Gemeinde angreifen muss, damit wir am Schluss Gelder akquiriert und – ganz wichtig dabei - die Spender ein gutes Gefühl und die Verantwortlichen somit eine solide Finanzierung hatten

Gern erinnere ich mich dabei an das historische Gräberfeld auf dem Winser Friedhof, eine Bewahrung von Grabkultur in Winsen und Erhaltung alter Familien-Grabsteine, die für Winsen eine geschichtliche Bedeutung haben. Das ist genau wie eben beschrieben zustande gekommen und zu einem echten Schmuckstück auf unserem Friedhof geworden.

Damit kein falsches Bild entsteht: Heinrich Lindhorst steht mitten im Leben. Sein Engagement für unsere Grabstätten ist Ausdruck seiner Verantwortung für eine schwindende Kultur - einer zutiefst menschlichen Bestattungs- und Erinnerungskultur in unserer Region. Es sind Stätten der Besinnung und Erinnerung, für die er sich stark macht. Heinrich Lindhorst kennt das Dichterwort: „Es ist kein Grab, das nicht ein Acker wäre.“ Nach dieser Maxime handelnd hat er es geschafft, oft totgeglaubten Dingen wieder pures und pulsierendes Leben einzuhauchen.

Besonders deutlich wurde das auch beim Niefindt-Haus, dem Bauamt unserer Gemeinde. Ein Augenschmaus für jeden, der den Rathausplatz betritt. Dass das die wohl preisgünstigste Immobilie ist, die die Gemeinde Winsen (Aller) je erworben hat, mag man kaum glauben. Ich schäme mich, hier Zahlen zu nennen, aber eins kann ich sagen: Haus gerettet, Kosten mehr als im Rahmen gehalten, Rathausplatz aufgewertet, Bürgermeister glücklich gemacht – das ist weit mehr als nur eine Punktlandung – das ist eine großartige und meisterhafte Leistung.

Heinrich Lindhorst ist ein gläubiger evangelischer Christ. Er weiß, dass der Glaube Berge versetzen kann. Vor allem aber weiß er, dass man Häuser am besten mit einer guten Mannschaft, mit harter Arbeit von Experten, mit unzähligen Helferinnen und Helfern, und ganz besonders mit einer gehörigen Portion Gottvertrauen versetzen kann. Das hat er uns bewiesen, über dreißig Jahre lang. Es passt die Darstellung des Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther:

„Ich nach Gottes Gnade […] habe den Grund gelegt als weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue.“

Heinrich Lindhorst hat den Grund gelegt. Jetzt sind die Nachfolgenden in der Pflicht. Allen, die jetzt die Fundamente sichern, weiterbauen, vervollständigen oder erweitern - nicht nur materiell, sondern auch ideell - wünsche ich von Herzen viel Erfolg!

Und Ihnen, lieber verehrter Heinrich Lindhorst, mit dem ich immer gern und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe und der mir vieles vermittelt hat, ohne dabei als Schulmeister aufzutreten, sage ich aus tiefster Überzeugung und Respekt meinen allerherzlichsten Dank. Dieses tue ich als Person, darf das heute aber auch im Namen von Rat und Verwaltung tun, die ihren Dank mit einer „Urkunde für herausragende Verdienste um die kulturelle und geschichtliche Identität der Gemeinde“ zum Ausdruck bringen möchten. Diese heute zusammen mit einem Buchpräsent zu überreichen wurde in der Ratssitzung am 09.02.2016 einstimmig beschlossen.

Dirk Oelmann