Archivierte Berichte

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Sprachlern-Klasse

Zusammen mit meiner Kollegin aus Hambühren, Frau Illmann, habe ich vor kurzem die Schule im Allertal besucht. Wir konnten uns ein umfassendes Bild über die Integration unseren jüngsten Neubürger im schulischen Bereich verschaffen.

Umfangreiche Sprach-Lern-Klassen werden hier mit viel Engagement und Kreativität durchgeführt. An dieser Stelle bedanke ich mich bei Herr Schuldirektor Theel und das zuständige Lehrergremium Katharina Wroblewski und Florian Schipper.

Beigefügt die Ausarbeitung zu diesem Thema von Frau Wroblewski und Herrn Schipper:

Inklusives Arbeiten mit Schülerinnen und Schülern der Sprachlernklasse – Alltag an der Schule im Allertal

Italien, Polen und Rumänien, Afghanistan, Irak und Syrien – aus diesen und vielen anderen Ländern der Welt kommen Schülerinnen und Schüler wie Ibrahim, Wiktoria und Leonardo an die Oberschule in Winsen(Aller). So unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer und die damit verbundenen Gründe für ihr Kommen sind auch das Alter, der familiäre Hintergrund und die bisherige Schulerfahrung dieser Kinder. Ungeachtet dessen gilt für alle: Von Anfang an sind sie Teil einer Regelklasse, um sofort Anschluss an ein altersgemäßes soziales Umfeld zu bekommen.

In eine Regelklasse hineinwachsen

Bei der Wahl einer passenden Regelklasse wird nicht nur auf das Alter, sondern auch auf das schulische Leistungsniveau geachtet. Ist eine Klasse gefunden, wird für jedes Kind ein eigener Stundenplan erstellt, der sowohl Stunden für die DaZ-Förderung wie auch Stunden in der Regelklasse vorsieht. Zunächst nehmen alle mit ihrer Klasse an wenig sprachintensiven Fächern wie Sport, Musik oder Kunst teil. Sprachliche Hürden fallen hier in einer für sie noch ungewohnten Umgebung nicht so sehr ins Gewicht, so dass diese Fächer mit ihrem gruppenorientierten Unterricht besonders gute Möglichkeiten bieten, die neuen Schülerinnen und Schüler kontinuierlich in den regulären Klassenverband zu integrieren. Auch individuelle Bedürfnisse, Fähigkeiten und Vorlieben werden möglichst berücksichtigt: Bringt ein Kind etwa gute Englischkenntnisse mit, besucht es dementsprechend den Englischunterricht seiner Regelklasse. Hat es ein besonderes Interesse an Naturwissenschaften, nimmt es am Unterricht in solchen Fächern teil. Gut die Hälfte aller Stunden verbringen die Schülerinnen und Schüler jedoch in einer der seit Beginn des Schuljahres 2015/16 eingerichteten Sprachlernklassen, um intensiv Deutsch zu lernen.

Die Sprachlernklasse als Lernwerkstatt

Gerade die verschiedenen Schülerpersönlichkeiten waren es auch, die die Verantwortlichen der Schule im Allertal dazu bewogen haben, ihnen durch ein inklusives Konzept einer Sprachlernklasse gerecht zu werden. So arbeiten die Schülerinnen und Schüler je nach ihren individuellen Voraussetzungen mit unterschiedlichen Lehrwerken. Pro Lektion erhalten sie dazu einen Arbeitsplan, anhand dessen sie sich die Inhalte kontinuierlich erarbeiten. Dabei zeigen sie große Eigeninitiative und Selbstständigkeit, während die Lehrkräfte ihnen beratend zur Seite stehen, indem sie bei Bedarf Hilfestellungen geben und die erledigten Aufgaben kontrollieren. Nach jeder Lektion erhalten die Schülerinnen und Schüler eine Rückmeldung über ihren Kenntnisstand durch eine schriftliche Leistungsüberprüfung. Oft können sich die Lehrerinnen mit ihren Schülern über gute und sehr gute Ergebnisse freuen.

Eine Aufgabe für alle

Geleitet werden die beiden Sprachlernklassen von Katharina Wroblewski und Melanie Woodcock, die als Fremdsprachenlehrerinnen für Englisch und Französisch zusätzlich über eine Qualifizierung für den DaZ-Unterricht verfügen. Beide haben aber auch selbst Erfahrungen mit dem Leben im Ausland gemacht und wissen, wie schwierig es sein kann, ohne ausreichende landessprachliche Kenntnisse den Alltag zu bewältigen und sich einer fremden Kultur anzupassen. Daher begegnen sie ihren Schülerinnen und Schülern mit viel Verständnis. Unterstützt werden sie von weiteren Lehrkräften der Schule sowie von einem Sozialpraktikanten und einer FSJlerin. Sie alle helfen den Schülerinnen und Schülern jedoch nicht nur dabei, sprachliche Kompetenzen zu erwerben. Letztendlich geht es darum, den Schülerinnen und Schülern das Ankommen in Deutschland in jeder Hinsicht zu erleichtern.

Auch emotionales Ankommen ermöglichen

Manche Kinder benötigen Hilfen, um sich im Unterricht einzugewöhnen oder gar den Schulalltag erfolgreich zu bewältigen, da sie in ihren Ursprungsländern bisher kaum oder überhaupt nicht beschult worden sind. Den eigenen Stundenplan zu verstehen, sich im Schulalltag zurechtzufinden und diesen zu organisieren bereitet einigen anfänglich erhebliche Schwierigkeiten. Auch Konflikte mit anderen auszutragen oder mit ihren Lehrkräften zu interagieren sind alltägliche Herausforderungen, die es ihnen jedoch ermöglichen, sich mit der Zeit kulturelle Gepflogenheiten zu eigen zu machen, einen guten Umgang mit anderen zu finden und aktiv am Schulleben teilzunehmen. Winsener Schülerinnen und Schüler werden dabei oft zu Dolmetschern und Paten, die ihnen bei alltäglichen Fragen und Problemen hilfreich zur Seite stehen und so ebenfalls ihre eigenen sozialen Kompetenzen erweitern können.

Lesen – Schreiben – Sprechen

Zusätzlich zu diesen ersten Hürden muss manch einer von ihnen jedoch auch noch die des Lesen- und Schreibenlernens nehmen. Für die Analphabeten in der Sprachlernklasse ist der Erwerb der Lese- und Schreibkompetenz eine hochkomplexe Angelegenheit, da er in einer Sprache erfolgen muss, die sie gar nicht kennen. Deshalb ist intensives Arbeiten mit diesen Kindern erforderlich, um schnell motivierende Lernerfolge zu erzielen. Damit diese Schülerinnen und Schüler aber auch möglichst bald im Alltag handlungsfähig sind, wird besonderer Wert auf Sprechübungen gelegt. Diese erfolgen manchmal im Klassenverband, manchmal in Kleingruppen. Besondere Beachtung verdient auch die Ausspracheschulung: Ein Satz kann zwar grammatisch einwandfrei sein, aber dennoch durch einen starken fremdländischen Akzent missverstanden werden. Eine verständliche Aussprache ist also eine wichtige, aber oft unterschätzte Kompetenz, die ebenfalls vermittelt werden muss.

Fazit

Die Arbeit in einer Sprachlernklasse ist eine abwechslungsreiche und spannende, allerdings auch arbeitsintensive Aufgabe, die sich aber lohnt: Die beiden Leiterinnen der Sprachlernklassen und die Schulleitung sind stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler, die sich nach nur wenigen Monaten selbstständig und selbstbewusst in ihrer Schule bewegen, obwohl sie am Anfang zurückhaltend und ängstlich waren. Und alle sind überzeugt: Diese Schülerinnen und Schüler haben die ersten wichtigen Schritte auf ihrem persönlichen Weg in ein neues Leben erfolgreich getan – weitere werden folgen!

Katharina Wroblewski
Florian Schipper