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Scheunenrevue in Celle

Wenn man sich am Montagmorgen schon ärgert, dann geht die Woche ja richtig gut los. So ging es mir, als ich in der Celleschen Zeitung die Kritik zur „Scheunenrevue“ las. Eine junge Kritikerin ließ sich darüber aus, dass die Dramaturgie zu kurz gekommen wäre, dass das aufgeführte Stück „Mein Mann, der fährt zur See“ zu bieder sei und das Publikum nicht unterhalten haben könne, so ihre Mutmaßung.

Das im Angesicht von zwei ausverkauften Aufführungen in der Celler CD-Kaserne und drei auf Gut Holtau, also ca. 1.200 Zuschauern (einige davon auch mehrmals) ist schon eine kühne Behauptung. Ich selbst habe zwei dieser Vorstellungen besucht, fühlte mich bestens unterhalten und hatte auch nicht den Eindruck, dass es den anderen Zuschauern anders ging, deren Anzahl auch nach der Pause nicht abgenommen hatte. Wie mir Gespräche mit Zuschauern aus Celle, Nienhagen usw. bestätigt haben, muss man kein eingefleischter Winser sein, um das Laienensemble mit all seinen kleinen Fehlern und der daraus entstehenden Situationskomik zu lieben.

Wann hat man sonst schon einmal eine Souffleuse erlebt, die eine Telefonklingel aufgrund von technischen Schwierigkeiten nachahmen musste? Dramaturgie habe ich jeden Tag in den Nachrichten, da stimmt es mich persönlich froh, wenn die Winser Scheunenrevue es schafft, mich für zwei Stunden in die heile Welt der 70er Jahre zurückzubeamen, als ich am Samstagabend frisch gebadet im Frotteeschlafanzug mit „gemütlichem Teller“ auf dem Schoss, der aus Erdnussflips, Salzstangen und Schokolade bestand, das Ohnsorg-Theater gucken durfte; immer in der Gewissheit, dass es ins Bett ging, wenn der Teller leer war (ein Stück Schokolade war darum auch immer die eiserne Reserve).

Sicherlich ist hier eine leicht verklärte Romantik zu beobachten, doch ich glaube nicht, dass ich der einzige Zuschauer gewesen bin, der mit diesem Ansatz die Vorstellungen besucht hat. Es müssen nicht immer Opernaufführungen sein, wo literweise Kunstblut verspritzt wird, ein Teil der Darsteller leicht bis gar nicht bekleidet durch die Dekoration springt und Lohengrin auf der Harley Davidson über die Bühne knattert. In der Kunst ist (fast) alles erlaubt, doch die eine Art der Inszenierung ist nicht schlechter als die andere, nur weil sie sich auf die breite Masse der Zuschauer bezieht und eben nicht dem Vorgänger immer noch eins draufsetzen muss.

Ich hoffe, dass die Winser Scheunenrevue sich auch weiterhin ihren Zuschauern zuwendet und sich nicht durch unzureichende Kritiken genötigt fühlt, ihr Programm zu überdenken. Diese Art der Kunst, die den Zuschauern gut gefallen hat, würden wir nämlich nicht mehr zu sehen bekommen, wenn ein bezahltes Ensemble damit Geld verdienen müsste.

Dieses Stück Nostalgie hält sich nur durch ein ehrenamtliches Team, das einfach aus Spaß an der Freude agiert und seine Zuschauer mitreißt. Bitte weiter so!

Dirk Oelmann
Bürgermeister