Archivierte Berichte

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Nachlese zum Informationsabend zur Winser Flüchtlingssituation

Das Interesse war groß. Rund 120 Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde kamen in der letzten Woche zum Infoabend, um sich über den derzeitigen Stand und die zu erwartende Entwicklung im Bereich der Flüchtlingssituation in Winsen zu informieren. Es sollte an diesem Abend einzig um die Belange hier vor Ort gehen und das wurde erfreulicherweise auch eingehalten.

Jeder Teilnehmer, und da schließe ich mich voll mit ein, hat sicherlich so seine eigenen Gedanken, was der Bund und die Europäische Union besser machen könnten. Nur hilft uns das bei der momentanen Situation direkt in Winsen nicht weiter. Schlimm genug, dass sich in jeder Talkshow Vertreter aller Parteien gegenseitig Vorwürfe um die Ohren hauen, anstatt sich in Einigkeit dieser besonderen Situation anzunehmen und gemeinsam zügig nach Lösungen zu suchen. Solange das nicht passiert müssen wir in den Kommunen selber ran, denn anscheinend verlieren einige Verantwortliche aus dem Blick, dass es hier um Menschen geht, die schlimmste Erlebnisse und eine Flucht hinter sich haben, wie sie sich allenfalls noch die älteren Menschen bis zu den Jahrgängen um 1940 und davor vorstellen können.

Umso mehr hat es mich natürlich gefreut, dass bei unserem Infoabend die Bereitschaft zur Mithilfe durch Bürgerinnen und Bürger unglaublich groß war. „Ich fühle mich als Mensch verantwortlich für die Flüchtlinge“, so brachte es eine Teilnehmerin auf die Frage nach staatlicher Verantwortung auf den Punkt. Nach einigen Fakten zur derzeitigen Situation in Winsen (zurzeit sind 85 Flüchtlinge schon da, ca. 110 kommen noch bis Ende Januar 2016) stand die Frage im Raum, wie jeder einzelne helfen kann.

Die dringlichste Aufgabe ist die Bereitstellung von Wohnraum. Hier gebe ich noch einmal den Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger aus allen Ortsteilen unserer Gemeinde wieder, sich bei uns im Sozialamt der Gemeinde zu melden, wenn sie vermietbaren Wohnraum zur Verfügung stellen können.

Ich möchte es mit allen Mitteln vermeiden, dass wir auf eine Unterbringung von Flüchtlingen in Dorfgemeinschaftshäusern oder in Turnhallen zurückgreifen müssen. Das sieht derzeit auch noch gut aus, doch wir sind sehr auf Mithilfe angewiesen, dass es auch langfristig so bleibt.

Auch die Begleitung von Flüchtlingen, eine sogenannte Patenschaft, war ein großes Thema. Derzeit haben wir schon 30 Paten, die seit teilweise mehr als einem Jahr hier großartige Hilfe zur Integration leisten. „Wenn wir die Integration von Flüchtlingen fordern, dann müssen wir ihnen auch zeigen, wie unser Land und unsere Kultur funktionieren“, so fasste es eine Patin der ersten Stunde jüngst zusammen. Das Engagement, dass viele Winserinnen und Winser dabei an den Tag legen, ist unglaublich und verdient höchsten Respekt. Bei steigender Flüchtlingszahl ist natürlich auch eine steigende Zahl an Paten wünschenswert.

So war es mehr als erfreulich, dass sich an diesem Abend bereits 15 neue Patinnen und Paten in die ausgelegten Listen eingetragen haben, ganz individuell mit der Angabe von Zeit und Fähigkeiten. Das Patenamt ist an keine Mindestanforderungen geknüpft, jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen.

Die vielen Fragen des Abends hier an dieser Stelle aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Aber auch hier gab es gute Vorschläge zur Informationsweitergabe, sowohl für allgemeine Informationen wie als auch für brandaktuelle Hilferufe. Die Anregungen werden wir sehr schnell in die Tat umsetzen und auf der Homepage der Gemeinde eine Rubrik „Flüchtlingshilfe in Winsen“ einrichten. Wir werden hier ein Kontaktformular, eine Newsletterfunktion uvm. einstellen, um mit hilfsbereiten und interessierten Menschen einen schnellen und regen Austausch pflegen zu können.

Schon in dieser Woche wollen wir die Rubrik öffnen und dann nach und nach mit Informationen füllen. Ebenfalls haben wir auch die E-Mailadresse fluechtlingshilfe(at)winsen-aller.de eingerichtet, unter der Sie uns Ihre Fragen und Hilfsangebote mitteilen können.

Mir bleibt an dieser Stelle erst einmal nur der Dank an all die Menschen, die uns schon zur Seite stehen, an die, die uns ihre Bereitschaft signalisiert haben und an all diejenigen, die hoffentlich noch auf uns zukommen werden. Die Botschaft des Abends war unmissverständlich: „Winsen kriegt das gemeinsam hin!“. Dafür bin ich Ihnen überaus dankbar.

Dirk Oelmann
Bürgermeister