Archivierte Berichte

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Nachbarn

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!", wusste schon Friedrich von Schiller. Es ist also ein großes Glück, wenn man Nachbarn hat, mit denen es sich gut auskommen lässt.

Neben den üblichen Nachbarschaftsstreitigkeiten über Lärm, Schmutz und Bäume sind vor allem Unwissenheit und Voreingenommenheit gegenüber anderen Kulturen und Lebensformen immer wiederkehrende Gründe für Ärger, der nicht sein müsste. In allen Fällen ist ein klärendes Gespräch zur rechten Zeit ein guter Garant dafür, dass Ärger nicht eskaliert und Vorurteile abgebaut werden können.

In den nächsten Wochen werden uns ganz verstärkt Flüchtlinge erreichen, die verteilt über das gesamte Gemeindegebiet untergebracht werden sollen. Wir setzen weiterhin auf eine dezentrale Unterbringung, was bedeutet, dass wir möglichst kleine Gruppen von Flüchtlingen in bestehenden Wohnvierteln unterbringen möchten, um Ghettobildungen zu vermeiden.

Vielleicht leben bald auch in Ihrem Viertel oder eventuell sogar in Ihrer direkten Nachbarschaft Menschen, die sich in unseren Lebensgewohnheiten, Gesetzen und Eigenarten noch nicht auskennen. Dass man sich seinen neuen Nachbarn vorstellt ist eine schöne Sitte, die leider auch einigen Deutschen nicht mehr geläufig ist.

Wieviel schwerer muss es dann erst denen fallen, die neben der Unwissenheit über unsere Gewohnheiten auch noch die Sprachbarriere haben? Ich habe mittlerweile viele Flüchtlinge kennengelernt, die alle eines gemeinsam haben - sie sind höflich, freundlich und schüchtern. Natürlich kenne ich auch andere Berichte über Pöbeleien, tätliche Übergriffe usw.. Wie hoch deren Wahrheitsgehalt ist kann ich nicht beurteilen.

Zumindest für Winsen kann ich diese aber nicht bestätigen. Das mag mit dem Umgang zusammenhängen, den wir in unserer Gemeinde mit Flüchtlingen pflegen. Die große Bereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger zur Mithilfe bei der Integration hat bisher dazu geführt, dass die Aufnahme der Flüchtlinge, die uns bis jetzt erreicht haben, eher "unauffällig" von statten ging.

Es wäre doch für alle Seiten erstrebenswert, wenn das auch so bliebe. Da Integration, was man im weitesten Sinne mit "Vertrautheit und Teilhabe" an unseren alltäglichen Lebensgewohnheiten gleichsetzen kann, nun einmal dort stattfindet, wo Flüchtlinge unter uns leben, kann diese auch nur vor Ort geschehen. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass wir schon fertig integrierte Flüchtlinge nach Winsen bekommen. Wir können aber dafür sorgen, dass durch Bereitschaft, Integration zu ermöglichen, diese auch schnell gelingen kann.

Im Falle der neuen Nachbarschaft heißt das, dass man vielleicht auch selbst einmal den ersten Schritt versuchen sollte, um das Eis zu brechen. Bei Fragen hierzu steht Ihnen unsere Integrationsbeauftragte Frau Ibrahimova gern zur Verfügung. Sie gibt Ihnen Tipps, sagt Ihnen, wer in Ihrer Nachbarschaft wohnt, ob Sie, wenn Sie es möchten, mit Rat und Tat oder Sachspenden helfen können und vermittelt auch gern erste Kontakte.

Sie erreichen Frau Ibrahimova unter der Tel.-Nr. 01520 / 7317566 oder per Mail an karina.ibrahimova(at)winsen-aller.de.

Im Sinne einer guten Nachbarschaft bitte ich Sie, ruhig auf unsere neuen Mitbürger zuzugehen, denn „Wer nichts waget, der darf nichts hoffen“, auch das wusste Friedrich von Schiller.

Dirk Oelmann
Bürgermeister