Archivierte Berichte

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Liebe Bürgerinnen und Bürger,

ein in vieler Hinsicht besonderes Jahr 2015 mit all seinen oft auch unerwarteten Herausforderungen liegt hinter uns. Unsere Gemeinde hat sich verändert und mit ihr die ganze Welt. Doch so positive Veränderungen wie in Winsen, wie z. B. die Einweihung des Gesundheitszentrums und der An- bzw. Neubauten der Dorfgemeinschaftshäuser in Thören und Walle sowie der Kindertagesstätten in Südwinsen und Meißendorf, die Einführung der Ganztagsgrundschule uvm. bis hin zur neuen Weihnachtsbeleuchtung, hat es in vielen Teilen der Welt nicht gegeben. Dort standen Veränderungen in Form von Krieg, Vertreibung, Folter und Flucht auf der Tagesordnung.

Das Wort „Flüchtlingswelle“ wird das vergangene Jahr prägen und vielleicht auch zum Wort des Jahres 2015 gekürt. Viele Ängste und Sorgen waren und sind bei uns allen mit dieser neuen Situation verbunden. Einiges davon war berechtigt, doch die meisten Befürchtungen sind nicht eingetroffen. Wir haben in Winsen keine Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäuser in Aufnahmelager umgewandelt, die Kriminalität ist nicht sprunghaft angestiegen und eine allgemeine Verelendung ist in Winsen auch nicht sichtbar.

Es ist nicht davon auszugehen, dass mit dem Einläuten eines neuen Jahres alles auf null gesetzt wird und damit der ganz normale Alltag wieder eintritt. Die Zuwanderung von Flüchtlingen wird auch 2016 ein Thema sein, dass uns in vielen Bereichen begegnen wird. In welchen Ausmaßen das passiert wird welche neuen Herausforderungen daraus resultieren, dass vermag noch niemand zu sagen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen auf Bundes- und EU-Ebene kluge und allgemein gültige Entscheidungen treffen, die eine spürbare Entlastung für diejenigen bringen, die sich bisher in besonderer Art und Weise wie z. B. Schweden und Deutschland dieser Ausnahmesituation angenommen haben, aber wiederum auch anderen Ländern klar machen, dass ein starker Verbund wie die EU nicht nur zur Umverteilung von Geldern geschaffen wurde.

Bei all unseren Befürchtungen und auch bei der oft berechtigten Kritik sollten wir aber eines nicht aus dem Blickwinkel verlieren – unsere Humanität gegenüber den Menschen, um die es hier eigentlich geht, nämlich die Flüchtlinge. Und wenn jemand trotzdem Sorge darum hat, wo das noch alles enden soll, der möge einfach einmal rund 25 Jahre zurückblicken.

Wir hatten damals eine Zuwanderung in ähnlicher bzw. noch höherer Zahl an Menschen aus Russland. Trotz gleicher Wurzeln gab es aufgrund der langen Trennung neben anderer Kultur und Religion auch die Sprachbarriere. Heute, eine Generation weiter, hört man bei den älteren noch den Akzent, die Kinder unterscheiden sich jedoch weder aufgrund von Sprache oder Kultur von den Kindern, deren Familien schon immer hier leben. Die damaligen Neubürger arbeiten mit uns zusammen, sie feiern mit uns zusammen, sie wohnen in unserer Nachbarschaft und sind mit uns befreundet. Sie gehören dazu. Mit ein bisschen Vertrauen auf unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten, gepaart mit etwas gutem Willen, schaffen wir diese Herausforderung auch ein zweites Mal.

Meine Hoffnung, dass uns das gelingt, schöpfe ich auch daraus, dass mir jeden Tag Bürgerinnen und Bürger in unserer Gemeinde begegnen, die einfach anpacken und Integration betreiben, ohne dass sie das als etwas Besonderes empfinden. Dafür danke ich Ihnen! Ebenso danke ich allen engagierten Menschen in allen Ortsteilen, die jeden Tag dafür sorgen, dass Vereine, Institutionen und das Gemeinwesen funktionieren, die sich um das Ortsbild kümmern, die einfach da sind, wenn man sie braucht und die sich mit unserer Gemeinde identifizieren.

Allen Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich ein frohes, friedliches und gesundes neues Jahr 2016, in dem uns viele positive Dinge passieren mögen, in dem auch Rückschläge nicht zur Resignation führen und in dem unsere Gemeinde seinen Ruf als lebens- und liebenswerter Ort für alle weiter festigt.

Dirk Oelmann
Bürgermeister