Archivierte Berichte

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Knöllchen für die Queen

Alles war gut durchdacht und vorbereitet. Freitag, 12.00 Uhr mittags, da bekommt man normalerweise keinen Parkplatz auf der Poststraße. Wir hatten extra alle Parkbuchten frei gemacht, um dem royalen Konvoi die Möglichkeit zum Halten zu geben.

Es hätte ja sein können, dass die Queen so kurz vor dem Rückflug noch ein paar Mitbringsel für die Lieben daheim einkaufen wollte. Die ersten Schuhe für die kleine Charlotte, ein Parfum für Kate oder einen schmackhaften Heidelikör für Charles und Camilla. Auch ein gutes Stück Celler Gekochte für das königliche Abendbrot ist in London eher schwer zu bekommen. Oder noch schnell den Lottoschein abgeben – die Renovierung von diesen alten Schlössern ist aber auch wirklich sehr teuer.

Alles kein Problem, auf der Poststraße bekommt man einfach alles, sogar eine neue Handtasche für Her Majesty herself oder der 121 Koffer zum Transport der Geschenke wäre zum Greifen nahe gewesen.

Es wird wohl lange Gesichter am Freitagabend im Buckingham Palace gegeben haben, denn die Queen hat nicht angehalten, folglich hat es bestimmt auch keine Geschenke für die Windsors gegeben. Und die eine Schachtel Lübecker Marzipan vom Bundespräsidenten wird es dann auch nicht rausgerissen haben, falls die überhaupt jemals in London angekommen ist – schließlich hatten die Queen und Prinz Philipp am Freitag kein Mittagessen.

Was hätte das Anhalten für uns nun so interessant gemacht? Wir von der Gemeindeverwaltung hatten natürlich ausgerechnet, dass der Tross der Queen (ca. 20 Autos plus 15 Motorräder) bestimmt keine Parkscheiben dabei hat und je nach Verweildauer bis zu 30 € je Fahrzeug zahlen muss. Macht mal eben ca. 1.000 € auf einen Schlag für die Gemeindekasse. Das wäre schon eine schöne Einnahme für die kommunalen Finanzen gewesen.

So, und damit sind wir (nach dieser zugegeben umständlichen Einleitung) beim eigentlichen Thema. Ich wollte Sie nämlich schonend darauf vorbereiten, dass wir ab sofort wieder eine Mitarbeiterin haben, die den ruhenden Verkehr überwacht und die entsprechenden Knöllchen verteilt.

Je nach Art des Verstoßes sieht der Bußgeldkatalog hier einen Rahmen von 10 € bis 65 € vor sowie einem Punkt in der Verkehrssünderkartei bei Behinderung von Rettungs- oder Einsatzfahrzeugen.

Wer sein Geld lieber zusammenhalten will (wie die Queen), der möge bitte auf ordnungsgemäßes Halten und Parken achten. Hierzu gehört auch, dass die Autos z. B. nicht halb auf der Straße stehen, keine Ausfahrten behindern, nicht in der Ladezone und auch nicht entgegen der Fahrtrichtung abgestellt werden.

Die Ahndung von Verstößen wird sich natürlich nicht nur auf die Poststraße beschränken. Mittlerweile gibt es im gesamten Gemeindegebiet Stellen, wo man auch Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger „mal durchgreifen sollte“, da es durch die Parkverstöße nicht selten zu Gefährdungssituationen kommt, weil z. B. manche Einmündungen nicht mehr ordentlich eingesehen werden können.

Es gilt also ab sofort: Ob royal oder rostig, jedes falsch abgestellte Auto wird notiert und der Halter entsprechend zur Kasse gebeten!

Kommen wir aber noch einmal auf den königlichen Besuch zurück. Ich bin der Meinung, egal ob man nun die Royals mag oder nicht, der Besuch hat unserem Ort sehr gut zu Gesicht gestanden. Über zweitausend Menschen haben an den Straßen gestanden, gejubelt und gewinkt und einfach einmal mehr gezeigt, dass Winsen ein friedlicher Ort ist, in dem man willkommen ist.

Ein großes Dankeschön an alle, die an diesem großartigen Bild unserer Gemeinde mitgewirkt haben.

Dirk Oelmann
Bürgermeister