Archivierte Berichte

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Haben wir die Bürgernähe verloren?

Berichte in der regionalen Presse befassen sich derzeit eher mit den berüchtigten Streitereien im Winser Rat und in den Ausschüssen, als mit der Sache selbst, um die da gestritten wird. Da wird von unversöhnlichen Blöcken gesprochen, die in einer Gemengelage mit allen Mitteln versuchen, die Ideen des jeweils anderen Blockes zu verhindern.

Als Bürger und Wähler stellt man sich zurecht die Frage, ob man die Ratsdamen und -herren und natürlich auch den Bürgermeister dafür gewählt hat, dass diese hier ein Schauspiel im Namen unserer Gemeinde aufführen, wie es unwürdiger kaum sein kann? Sind besagte Damen und Herren wirklich noch „nah am Bürger dran“ und vertreten seine Interessen?

Nach der letzten Schul-, Sozial- und Jungendausschusssitzung mit den Themenschwerpunkten Hortbetreuung und Jugendzentrum kann man nicht davon ausgehen. Da sitzen Eltern in der Einwohnerfragestunde, die ihre berechtigten Sorgen und Nöte schildern; es sitzt die geballte Kraft an Frauen und Männern, die in Winsen zum Thema Kinder, Jugend und Schule etwas Fundiertes sagen kann und einhellig die Eltern unterstützt und die Politik zum dringenden Handel auffordert, mit am Tisch, und die Politik ist nicht in der Lage, diesen Argumenten zu folgen und eine Lösung zu erarbeiten, sondern befasst sich eher damit, die Vorschläge der anderen Seite auseinander zu nehmen. Wie armselig ist das denn eigentlich?

Als Bürgermeister, der sich in erster Linie als Vertreter der Bürgerinnen und Bürger und nicht einer einzelnen Partei sieht, kann man sich für den ganzen Laden (und auch für die eigenen Emotionen, die dann irgendwann überkochen und sich verbal unkorrekt ihren Weg suchen) nur noch schämen und bei all denen, die Zeuge dessen werden, entschuldigen.

Egal, welche Partei „ihr Fett nun mehr wegbekommen“ hat in der öffentlichen Berichterstattung oder Meinung, gemeinsam bilden wir Politikerinnen und Politiker den Rat unserer Gemeinde Winsen (Aller), der wir mit jeder miesen Presse einen schlechten Dienst erweisen. Wir sollten endlich wieder das Selbstverständnis aufbringen, dass wir als gemeinsames Entscheidungsgremium gewählt wurden, um Entscheidungen zu treffen und nicht zu verhindern.

Daher fordere ich alle Ratsmitglieder auf, ihr Parteibuch gedanklich zu Hause zu lassen und sich auf sachlicher Ebene den Anfordernissen und Bedürfnissen unserer Gemeinde anzunähern. Nur so können wir es schaffen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger wieder Vertrauen in die örtliche Politik bekommen und somit der allgemeinen Politikverdrossenheit, die ich angesichts solcher Auswüchse, wie wir sie bei uns gerade erleben, gut verstehen kann, entgegen zu wirken.

Als Gemeinde Winsen (Aller) haben wir das Recht dazu, auf die Entwicklungen z. B. in den Bereichen Schule, Kindertagesstätten, Jugend- und Migrationsarbeit, Ortsentwicklung, Ehrenamt, Kultur usw. stolz zu sein. Dieses berechtigte Gefühl sollten wir unseren Bürgerinnen und Bürgern und auch uns selbst nicht nehmen, in dem wir uns aufgrund unseres beschämenden Verhaltens auf die belächelte Krawallgemeinde im Westkreis reduzieren lassen müssen.

Liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen, denken Sie einmal über die in der Überschrift gestellte Frage nach, die ich zurzeit mit einem klaren „Ja“ beantworten würde.

Dirk Oelmann
Bürgermeister