Winsen (Aller) 1945–2020. 75 Jahre Frieden

Teil 8: 2010–2019

Größte Oberschule im Land


Am 1. August 2012 nimmt die „Schule im Allertal“ ihren Betrieb in der Gemeinde auf. Vorangegangen ist der Entschluss des Celler Landkreises, auch in Winsen eine Oberschule zu gründen. Kennzeichen der neuen Schulform: Sie umfasst zunächst einen Hauptschul- und einen Realschulzweig, später auch einen Gymnasialzweig.

An ihrem Standort am Meißendorfer Kirchweg tritt sie die Nachfolge der Heinrich-Pröve-Realschule an, die hier seit April 1950 existierte. Darüber hinaus gehen aber auch die Winser Hauptschule und entsprechende Bildungseinrichtungen aus Wietze und Hambühren in die „Schule im Allertal“ ein.

Nachdem sich der Schulbetrieb in den ersten Jahren auf mehrere Außenstellen verteilt, findet er seit dem August 2017 an einem einzigen Standort statt. Mit über 1000 Schülerinnen und Schülern und mehr als 100 Lehrern ist die „Schule im Allertal“ die größte Oberschule Niedersachsens.

Auf einer Fläche von etwa 33.000 m² finden sich vier Schulgebäude und zwei Turnhallen. Die Leitung versieht seit 2013 der Oberschuldirektor Bodo Theel.

Bild 1: Das Verwaltungsgebäude der Schule im Allertal wird 2017 in Betrieb genommen


Wege, die zur Kirche führen – damals und heute


Um 1900 bildete die Winser St.-Johannes-der-Täufer-Kirche das Zentrum des zweitgrößten Kirchspiels in der Hannoverschen Landeskirche. Der evangelisch-lutherische Pfarrbezirk umfasste damals ein Gebiet, das sogar die Gesamtfläche Bremens an Größe übertraf. So gehörten ihm zu dieser Zeit nicht nur die heutigen Winser Orts­teile an, sondern z. B. auch Wietze, Hassel und Jeversen, Hambühren, Oldau, Rixförde sowie das fast zwölf Kilometer entfernte Feuerschützenbostel.

Lang waren deshalb die Wege, die die Menschen – meist zu Fuß – zurücklegten, um sonntags den Gottesdienst zu besuchen. Um an diese Zeit zu erinnern, initiiert der Winser Jochen Köhler die Aktion „Wege, die zur Kirche führen – damals und heute“. Sie erstreckt sich über zwei Tage – den 4. und 5. Juli 2015.

Den Auftakt markiert eine Ausstellung im Kirchenvorraum, die am Samstagabend eröffnet wird. August Lammers, Meißendorfer Heimatpfleger, hat sie organisiert. Sie präsentiert u. a. eine historische Karte der Region, auf der die alten Kirchwege eingetragen sind, und viele Exponate aus der Zeit um 1900.

Am Sonntag folgt ein Regionalgottesdienst, an dem sich auch die Kirchengemeinden Wietze, Oldau, Hambühren und Sülze beteiligen. Aus etwa 20 Ortschaften des einstigen Kirchspiels kommen die Teilnehmer herbei, viele in alter Kleidung und auf den damals üblichen Wegen. Sie gehen zu Fuß oder nutzen historische Verkehrsmittel wie Fahrräder oder Kutschen. An einem der heißesten Tage des Jahres stellen die oft schweren Kostüme eine schweißtreibende Herausforderung für ihre Träger dar.

Den Gottesdienst selbst leitet Pastor Mirco Kühne. Im Anschluss können Interessierte an Kutschfahrten oder Führungen durch die Kirche und auf dem historischen Friedhof teilnehmen. Ein Festzelt neben der Kirche bietet allen Besuchern – ob mit oder ohne Kostüm – die Gelegenheit für ein geselliges Zusammensein.

Bild 2: Winser Kirche, Ausschnitt aus Ansichtskarte (1920).
Bild 3: Kostümierte Teilnehmer der Aktion „Wege, die zur Kirche führen“ präsentieren sich mit ihren Fahrrädern.


Neues Verwaltungsgebäude am Amtshof


Der Winser Ortskern erfährt in den vergangenen beiden Jahrzehnten erhebliche bauliche Veränderungen. Die Poststraße wird erneuert, der Marktplatz angelegt; gleichzeitig weichen historische Institutionen wie der Gasthof „Sandkrug“ und das Hotel „Zur Post“ aus dem Ortsbild.

Einen vorläufigen Abschluss findet diese Entwicklung, als am 2. März 2018 das neu errichtete Verwaltungsgebäude Am Amtshof 4 feierlich eingeweiht wird. Es ersetzt ein geschichtsträchtiges Gebäude, das sich von 1842 bis 1940 im Besitz der Familie Hingstmann befand, die es als Lebensmittelgeschäft und Wohnhaus nutzte. Nach dem Krieg diente es bis 1972 als Rathaus der Gemeinde.

Im Anschluss bot es u. a. der Bücherei und der Tourismus-Information ein Obdach. Das Haus stand auf einem alten Allerarm. Da es einer zusätzlichen Gründung ermangelte, senkte sich das Gebäude so weit, dass es schließlich einsturzgefährdet war. 2016 muss es abgerissen werden.

Im Oktober desselben Jahres wird der Grundstein für das neue, nun barrierefreie Verwaltungsgebäude gelegt. Ende 2017 können die Räumlichkeiten bezogen werden. Seine Gestaltung – spitz zulaufendes Dach, Sprossenfenster, gelber Sandstein und rote Ziegel – orientiert sich bewusst an seinem Vorgänger, dem alten Rathaus.

Bauherr ist die Wirtschaftsbetriebe Allertal GmbH, eine Tochtergesellschaft der Gemeinde, die die Räumlichkeiten vermietet. Neben der Gemeindebücherei und der Tourismus-Information finden hier heute auch die Kämmerei und die EDV-Abteilung der Verwaltung ein neues Zuhause. Räume im Obergeschoss werden zudem an den Verlag Linus Wittich Medien KG vermietet, der das Winser Mitteilungsblatt herausgibt.

Bild 4: Das neue Verwaltungsgebäude (Südseite).
Bild 5: Einweihung mit Bürgermeister Dirk Oelmann, Büchereileiterin Katrin Skradde, Friedrich-Wilhelm Falke (WBA) und dem nieders. Kultusminister Grant H. Tonne (v. li.).