Winsen (Aller) 1945–2020. 75 Jahre Frieden

Teil 6: 1990–1999

Die Winser Geschichtsblätter erscheinen


Im Oktober 1992 erscheint die erste Ausgabe einer neuen Zeitschrift: Die „Winser Geschichtsblätter“ richten sich an alle, die etwas über die Vergangenheit Winsens erfahren möchten. Ziel ist es – laut Vorwort – den Leserinnen und Lesern „eine Mischung aus interessanten Themen, Buchtipps und Informationen“ zu bieten. Heft Nr. 1 (Auflage 500 Ex.) verkauft sich so gut, dass man sich entscheidet, weitere vorzubereiten. Bis heute sind insgesamt 25 Ausgaben erschienen.

Die Geschichtsblätter werden vom Winser Gemeindearchiv herausgegeben, das 1988 eingerichtet worden ist – zunächst als Teil einer nur kurz bestehenden Archivgemeinschaft mit Wietze und Hambühren – und damals von Annegret Main geleitet wird. Viele Beiträge stammen von Autoren aus den Reihen einer besonderen Institution: der Heimatpfleger.

Ihr Interesse an der Geschichte Winsens und seiner Ortsteile führt Ende der 1980er Jahre viele Heimatforscher in das neue Archiv. In Anbetracht dieser Tatsache findet der Vorschlag Zustimmung, solchem Einsatz einen offiziellen Rahmen zu verleihen. Am 29. Juni 1989 bestellt der Gemeinderat sieben Personen zu ehrenamtlichen Heimatpflegern ihrer Ortsteile. Zu ihnen gehört – für den Ortsteil Stedden – bereits Friederike Schiedung, die dieses Amt auch heute noch ausfüllt.

Neben der redaktionellen Arbeit besteht eine wichtige Aufgabe der Heimatpfleger darin, Unterlagen zur Geschichte der Ortsteile, die sich in privatem Besitz befinden, für das Archiv zu gewinnen. Darüber hinaus veranstalten sie im Laufe der Jahre Gesprächsabende und historische Ausstellungen.


Bild 1 & 2: Gemeindearchiv


555 Jahre Gemeinde-, Schützen- und Volksfest


Das Schützenwesen besitzt in Winsen eine alte Tradition, die wahrscheinlich bis in das späte Mittelalter zurückreicht. Da Zeugnisse aus der Anfangszeit fehlen, verlieren sich die genauen Ursprünge im Dunkel der Geschichte. Der Überlieferung zufolge jedoch soll ein erstes Schützenfest bereits im Jahr 1439 stattgefunden haben (Vgl. W. Zühlke, 555 Jahre Schützen-, Gemeinde- und Volksfest Winsen, S. 20). Trifft dies zu, so feiert man in Winsen eines der ältesten Traditionsfeste des Landes.

Sicher ist, dass sich das Schießen in den Anfängen deutlich vom heutigen Vereinssport unterschied. Es handelte sich nicht immer um eine freiwillige sportliche Betätigung. Stattdessen waren die männlichen Dorfbewohner ursprünglich aufgefordert, jährlich ihre Schießkenntnisse und damit ihre Wehrfähigkeit unter Beweis zu stellen. Schließlich waren sie dazu verpflichtet, im Kriegsfall ihr Dorf mit der Waffe zu verteidigen. Der Umtrunk danach war zuerst als ein Prosit auf die Erledigung der lästigen Pflicht gedacht.

1994 nehmen sich die Veranstalter dieses Anfangsdatum zum Anlass, den 555. Jahrestag feierlich zu begehen. Träger des vom 12. bis 15. August dauernden Festes ist kein Schützenverein, sondern die Gemeinde Winsen (Aller) – eine Besonderheit im Landkreis Celle. Bei der Vorbereitung wird sie von der Schützengilde Winsen (Aller) e.V. tatkräftig unterstützt, die 1961 gegründet wurde.

Bürgermeister Hermann Buchheister unterstreicht in einer Begrüßungsrede während dieser Tage, „dass das Winser Schützen- und Volksfest alte Traditionen wieder deutlich werden lässt. Der Ablauf habe sich zwar im Verlauf der Jahrhunderte verändert, doch Sinn und Inhalt seien geblieben“ (CZ). Als erster König setzt sich 1994 Ulrich Schneidereit, „der Zielstrebige vom Kurhaus Wassermann“, durch.

Bild 3: Gemeidearchiv


Erstes Südwinsen-Festival


Seit über zwanzig Jahren lockt das Südwinsen-Festival nun schon die Anhänger alternativer Musikkultur nach Winsen (Aller). Mittlerweile zählt es zu den größten Musikveranstaltungen im Landkreis. Motto der Veranstaltung, die in der Regel an zwei Tagen im Juli oder August stattfindet, ist seit jeher „Umsonst und draußen“: Die vielen von nah und fern anreisenden Besucher des Open-Air-Festivals müssen lediglich für Essen und Getränke zahlen.

Auf der Bühne standen bereits in der Szene bekannte Gruppen wie Fiddler’s Green oder Tequila & the Sunrise Gang, aber auch viele Nachwuchsbands unterhielten das Publikum.

Die Anfänge des Südwinsen-Festivals liegen im privaten Bereich: Die Söhne der Südwinser Familie Lux feiern in den 1990er Jahren ihre Geburtstage im 30 m² großen Partykeller der Eltern. Deren Begeisterung für diese Feste nimmt ebenso stetig ab, wie die Zahl der Gäste anwächst. Da man keine geeigneten Räumlichkeiten findet, wird ins Freie ausgewichen.

Am 31. August 1996 steigt eine „Indie-Party“ auf einem angemieteten Acker. Bei schlechtem Wetter feiern 150 Gäste zur Musik aus der Stereoanlage – das Südwinsen-Festival ist geboren. Live-Bands treten erstmals 1999 auf, auf einer aus Palletten zusammengebastelten Bühne.

Mit dem Erfolg wird das Festival immer größer: Bei der Durchführung des 20. Festivals (2016) wirken 200 ehrenamtliche Helfer mit; 29 Bands treten auf. Das Ziel der Festivalmacher um Michael Lux und Nils Dujat ist allerdings das alte geblieben: ein „Gemeinschaftserlebnis ohne Gewinnabsicht“ (www.musikmag.de, 22.07.2016).

Bild 5: Plakat für das erste Südwinsen-Festival (1996).