Das Rathaus

Das erste Amtshaus der Vogtei Winsen wurde im 16. Jahrhundert zur Zeit der Herrschaft Wilhelm des Jüngeren (1535 - 1592) gebaut. Es war ein Fachwerkhaus. Gleich nach dem Bau des Amtshauses wurde hier außerdem eine Krugwirtschaft für Frachtfuhrleute vor allem aber auch für durchreisende Herrschaften betrieben.

In der Nacht vom 15. zum 16. April 1725 fielen das Amtshaus und die meisten Nebengebäude einem Brand zum Opfer, der auch auf die benachbarten Häuser übergriff. Innerhalb weniger Stunden brannten in Winsen sechs Wohnhäuser, eine Scheune und ein Schafstall bis auf den Grund nieder.

Noch im selben Jahr wurde mit dem Neubau eines Amtshauses an der gleichen Stelle begonnen. Als der zweistöckige Bau im Sommer 1727 bis zur Dach Höhe fertiggestellt war, begann das Mauerwerk zu bersten und zu sinken. Der hannoversche Zimmermann Georg Schleicher weigerte sich schließlich sogar den Bau zu richten, weil das Balkenwerk falsch konstruiert war.

Als Hauptursache für das Absinken des Bauwerkes wurde von einer eilig eingesetzten Prüfungskommission der nicht genügend gesicherte feuchte Untergrund ausgemacht. Der mittlere und der nördliche Allerarm flossen durch und um den Ort herum. Auf einem Gelände, das "Up'n Wördel" hieß, was soviel wie „auf der Flußinsel“ bedeutet, befand sich der Amtshof. Diese Lage in unmittelbarer Nähe des Mittleren Allerarmes, der sich kurz hinter dem Grundstück zum Seegraben - "De See" - verbreiterte, verdeutlicht die Problematik der Gründung des Vogteigebäudes.

Eine Sanierung schien nicht möglich und so ordnete der Großvogt von Bülow am 3. August 1727 den Abbruch des halbfertigen Gebäudes an. Mit der Neuplanung wurde der Hofarchitekt Johann Christian Böhme, der auch das herzogliche Jagdschloß in der Göhrde geplant hatte, beauftragt.

Die ganze Anlage wurde nun großzügiger und dem Stil der Zeit entsprechend im Barock gebaut. Der quergestellte Mansardenbau des Amtshauses im Norden, das Pforthaus im Westen, das Wirtschaftsgebäude im Osten und der große Garten im Süden umschlossen einen Ehrenhof mit einem steinernen Brunnen in der Mitte.

Nach dem Desaster mit dem ersten Bau, und dem Bericht der Prüfungskommission maß man der Sicherung des Fundaments nun eine besondere Bedeutung zu. Im ganzen Ausmaß des massiven Amtshauses wurde eine Grube ausgehoben und ein starkes Rammwerk angelegt. Viele der zum Bau benötigten Materialien wurden auf dem Wasserwege herbeigeschafft, was Winser und Bremer Schiffshaltern einen guten Verdienst einbrachte.

Das Amtshaus war bis 1858, als im Zuge einer Verwaltungsreform das Amt Winsen aufgelöst wurde, Sitz der Winser Amtsvögte. Danach wurde es von unterschiedlichen Besitzern als Wohnhaus genutzt. Nach einer großangelegten Renovierung wird das Gebäude seit 1972 als Rathaus der Gemeinde Winsen (Aller) genutzt.