Das Niefindthaus

165 Jahre Winser Geschichte dokumentiert das Niefindthaus – vom Fachwerkhaus an der Poststraße zum Verwaltungsgebäude am Rathaus. Im Spannungsfeld von bäuerlicher Tradition und moderner, bürgerfreundlicher Verwaltung steht es für die Entwicklung Winsens vom beschaulichen Heidedorf zur geschichtsbewussten 13.000-Einwohner-Gemeinde.

An der Giebelseite des Hauses wurde der Nachbau eines Prangers aufgestellt. Der Schandpfahl oder Pranger erlangte ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung zur Vollstreckung von Ehrenstrafen, die für geringfügige Vergehen verhängt wurden. Die Strafe bestand vor allem in der öffentlichen Schande, welche der Verurteilte zu erdulden hatte, der für jedermann sichtbar an den Pranger gestellt wurde. Der Pranger, aufgestellt in unmittelbarer Nähe eines Amtshauses, diente als äußeres Zeichen der Gerichtsbarkeit.

Das „Hunnelock“ die vergitterte Arrestzelle im Gewölbe des Pforthauses, das bis 2010 als Teil des Amtshausensembles an dieser Stelle stand, ist auch am Niefindthaus sichtbar.

Das Originalgitter wurde beim Abriss des Gebäudes aufbewahrt und an authentischer Stelle in das Niefindthaus eingefügt.

An der Rückseite des Gebäudes erinnert ein am 6. April 2014 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung aufgestellter Stein an die Todesmärsche im April 1945.

Die Inschrift des Gedenksteines lautet:

Zur Erinnerung:
Vom 7. bis zum 10. April 1945 trieben die SS und ihre Helfer mehr als 4 000 Häftlinge aus KZ-Arbeitslagern in „Todesmärschen“ durch unseren Ort in das KZ Bergen –Belsen. Einige beherzte Frauen haben versucht, trotz Bedrohung durch die SS-Wachmänner, mit Brot und Wasser zu helfen.

Wilhelm Scheinhardt und seine Frau Alwine versteckten und versorgten neun französische Häftlinge bis zum Einmarsch der Britischen Armee.  Zwischen Ovelgönne und Walle wurde eine große Zahl von Häftlingen, die nicht mehr weiterkonnten, von der SS erschossen.

Eine Abhandlung über die Todesmärsche mit Aussagen von Überlebenden und Zeitzeugen von Julius H. Krizsan ist für 5,- € im Rathaus erhältlich.